Zerschlagung

Nur die geset­zliche Mit­glied­schaft in den Kam­mern sichert das bewährte Kollek­tivver­tragssys­tem – und damit Urlaubs- und Wei­h­nachts­geld für so gut wie alle Arbeit­nehmerin­nen und Arbeit­nehmer“, sagt Ali Dogan, Vor­sitzen­der der Wiener Gew­erkschaft­sju­gend (ÖGJ Wien). In Öster­re­ich wer­den seit 1947 Kollek­tivverträge ver­han­delt, und mit­tler­weile gel­ten sie dank geset­zlich­er Mit­glied­schaft in der Wirtschaft­skam­mer für 98 Prozent der Arbeit­nehmerIn­nen in Öster­re­ich. „Damit sind wir auf dem europäis­chen Spitzen­platz, und das muss auch so bleiben. Ohne Kollek­tivverträge wären viele Errun­gen­schaften in akuter Gefahr, zum Beispiel Zula­gen, Über­stun­den­regelun­gen, aber auch die in vie­len Branchen gel­tende 38,5-Stunden-Woche“, warnt Dogan. „Ohne geset­zliche Mit­glied­schaft in den Arbeit­erkam­mern wäre für viele Arbeit­nehmerIn­nen der Zugang zum Recht versper­rt oder zumin­d­est erschw­ert“, sagt Dogan. Pro Jahr find­en zwei Mil­lio­nen Beratun­gen statt. „Viele Men­schen, die jet­zt mit ihren Anliegen zur AK kom­men, hät­ten nicht das Geld, um sich einen Anwalt oder eine Anwältin zu nehmen. Sie wären also ihren Arbeit­ge­bern völ­lig aus­geliefert. Die poli­tis­chen Parteien sollen so ehrlich sein und den Men­schen sagen, was die Abschaf­fung der sol­i­darischen Kam­mer­mit­glied­schaft bedeutet, statt sich hin­ter leeren Worten von ‚Verän­derung‘ zu ver­steck­en“, sagt Dogan: „Ohne starke Kam­mern wären die Inter­essen der Arbeit­nehmerIn­nen stark geschwächt. Ver­hand­lun­gen wür­den nicht mehr auf Augen­höhe stat­tfind­en, und die Macht würde sich in Rich­tung Indus­trielob­by­is­ten ver­schieben.“