Meilenstein

Mit den Stim­men von vier Parteien sowie von eini­gen frak­tion­slosen Abge­ord­neten hat der Nation­al­rat heute die Über­nahme der Beruf­ss­chul-Inter­natskosten für Lehrlinge beschlossen. „Ein sozialpoli­tis­ch­er Meilen­stein für die Lehrlinge! Denn kün­ftig zahlt die Inter­natskosten der Insol­ven­zent­gelt­fonds, und die Lehrlinge müssen nicht mehr länger ihre Lehrlingsentschädi­gung an die Inter­nats­be­treiber über­weisen“, sagt Sascha Ern­szt, Vor­sitzen­der der Öster­re­ichis­chen Gew­erkschaft­sju­gend (ÖGJ). Möglich gewor­den ist der Beschluss auch auf Druck der ÖGJ, die mit der Kam­pagne mehr als 20.000 Unter­stützungserk­lärun­gen für das Gratis-Inter­nat sam­meln kon­nte. „Ein Win-Win-Konzept“, sagt Ern­szt, „denn erstens wer­den die Lehrlinge nicht zu Work­ing poor, zweit­ens prof­i­tieren die Aus­bil­dungs­be­triebe, drit­tens wer­den sie deshalb im Opti­mal­fall mehr Lehrlinge aufnehmen, und viertens wird das Bun­des­bud­get nicht belastet.“ Finanziert wer­den die Inter­natskosten näm­lich aus dem Insol­ven­zent­gelt­fonds, der ohne­hin für die Lehrstel­len­förderung zuständig ist, und der über Rück­la­gen von 450 Mil­lio­nen Euro ver­fügt. Die jährlichen Kosten wer­den hinge­gen nur 60 Mil­lio­nen Euro betra­gen. „Ein großer Erfolg ist das Gratis-Inter­nat vor allem für Frauen“, sagt Ern­szt. Viele von ihnen ler­nen Berufe in Branchen mit niedri­gen Lehrlingsentschädi­gung. Männliche Lehrlinge sind hinge­gen über­wiegend in Branchen zu find­en, wo nicht nur die Lehrlingsentschädi­gun­gen höher sind, son­dern auch die Inter­natskosten auf­grund von kollek­tivver­traglichen Regelun­gen von den Unternehmen über­nom­men wer­den. In diesen Branchen erwartet die ÖGJ, dass die Unternehmen kün­ftig wieder mehr Lehrlinge aufnehmen, denn die Über­nahme der Inter­natskosten bedeutet für sie eine enorme Koste­nent­las­tung. Ern­szt rech­net vor: „Ein Betrieb mit zehn Lehrlin­gen spart sich kün­ftig pro Jahr 10.000 Euro. Um dieses Geld kön­nen ein bis zwei zusät­zliche Lehrlinge eingestellt wer­den.“