Infor­ma­ti­on

Der Bund muss ein Maß­nah­men­pa­ket schnü­ren, damit die Jun­gen trotz Coro­na-Kri­se einen Lehr­platz bekom­men“, sagt AK Prä­si­den­tin Rena­te Anderl. Die offi­zi­el­le Zahl von der­zeit 8.400 Lehr­stel­len­su­chen­den wäre schlimm genug. Tat­säch­lich suchen 23.000 Jugend­li­che eine Lehr­stel­le in einem Betrieb – fast drei­mal so vie­le wie offi­zi­ell, zeigt die Aus­wer­tung der aktu­el­len Zah­len des Arbeits­markt­ser­vice durch die AK Exper­tIn­nen. Anderl: „Der Bund muss aus­rei­chend Bud­get für genü­gend über­be­trieb­li­che Aus­bil­dungs­plät­ze garan­tie­ren. Und alle von der Kri­se betrof­fe­nen Fir­men sol­len auch für ihre Lehr­lin­ge Kurz­ar­beit bean­tra­gen.“ Die Zah­len im Detail: Anfang Mai waren 8.366 Jugend­li­che als sofort lehr­stel­len­su­chend gemel­det, dazu kom­men 4.339 in Schu­lun­gen des Arbeits­markt­ser­vice und 10.063 in der vom Bund und den Län­dern finan­zier­ten über­be­trieb­li­chen Aus­bil­dung – in Sum­me 22.768. Sie alle suchen eine Lehr­stel­le in einem Betrieb, aber die Unter­neh­mer mel­de­ten nur 4.561 offe­ne Lehr­stel­len. Das ergibt eine Lehr­stel­len­lü­cke von 18.207 Aus­bil­dungs­plät­zen, die in den Betrie­ben feh­len. So rie­sig war die Lehr­stel­len­lü­cke seit 2010 nicht mehr. Beson­ders dra­ma­tisch: Erst unlängst hat der Bund die Trä­ger der über­be­trieb­li­chen Aus­bil­dung ver­pflich­tet, ihre Lehr­lin­ge schnells­tens in einen Betrieb zu ver­mit­teln. „Aber wie soll das gehen?“, fragt AK Prä­si­den­tin Rena­te Anderl. In der Arbei­ter­kam­mer mel­de­ten sich in den letz­ten Wochen immer wie­der ver­zwei­fel­te Fami­li­en. Ihr Kind hat die Lehr­stel­le wie­der ver­lo­ren, wur­de etwa zur ein­ver­nehm­li­chen Lösung des Lehr­ver­trags gedrängt. „Die Pflicht, über­be­trieb­li­che Lehr­lin­ge unbe­dingt in einen Betrieb zu ver­mit­teln, muss zumin­dest wäh­rend der Coro­na-Kri­se und der danach dro­hen­den Wirt­schafts­kri­se gelo­ckert wer­den“, for­dert Rena­te Anderl. Zusätz­lich muss aus­rei­chend Bud­get für genü­gend über­be­trieb­li­che Aus­bil­dungs­plät­ze garan­tiert wer­den. Und bei staat­li­chen Hilfs­pa­ke­ten für Unter­neh­men soll berück­sich­tigt wer­den, ob betrof­fe­ne Fir­men Lehr­lin­ge aus­bil­den. Gleich­zei­tig appel­liert die AK Prä­si­den­tin an alle von der Kri­se betrof­fe­nen Fir­men: Statt Lehr­ver­hält­nis­se zu lösen, sol­len sie ihre Lehr­lin­ge in die Kurz­ar­beit mit­neh­men. Dass das geht, haben Arbei­ter­kam­mer und Gewerk­schafts­bund mit der Wirt­schafts­kam­mer aus­ver­han­delt, und der Natio­nal­rat hat es beschlos­sen. Rena­te Anderl: „Jetzt dür­fen Bund und Unter­neh­mer kei­ne Jugend­li­che und kei­nen Jugend­li­chen auf der Stra­ße ste­hen las­sen, auch im eige­nen Inter­es­se. Nach der Kri­se muss unse­re Wirt­schaft mit gut aus­ge­bil­de­ten Fach­kräf­ten durch­star­ten kön­nen.“