Lehrlingssprecher

Clau­dia Plakolm von der ÖVP trat gestern bei ihrer Rede im Nation­al­rat dafür ein, dass Jugendliche mehr zu Wort kom­men sollen. Als Beispiel nan­nte sie dafür die geplante Wahlal­tersenkung auf 16 Jahre bei Betrieb­sratswahlen. „Was sie dabei offen­sichtlich ver­gisst oder ignori­ert zu erwäh­nen, ist, dass die Regierung laut Regierung­spro­gramm gle­ichzeit­ig den Jugend­ver­trauen­srat – also den demokratisch gewählten Lehrlingssprech­er im Betrieb — abschaf­fen will. Lehrlinge hät­ten dann keine Möglichkeit mehr, ihren eige­nen Lehrlingssprech­er zu wählen oder dafür zu kan­di­dieren (pas­sives Wahlrecht)“, ist Sascha Ern­szt, Vor­sitzen­der der Öster­re­ichis­chen Gew­erkschaft­sju­gend (ÖGJ), über das Ver­ständ­nis der ÖVP von mehr Mitbes­tim­mung ver­wun­dert. „Von mehr Mitbes­tim­mung kann hier nicht die Rede sein! Mit der geplanten Abschaf­fung des Jugend­ver­trauen­srats wird nicht nur den 15-jähri­gen Lehrlin­gen jegliche Möglichkeit zur Mitbes­tim­mung im Betrieb ent­zo­gen, son­dern auch vie­len Jugendlichen die Möglichkeit genom­men, während ihrer Lehrzeit über­haupt je eine Inter­essen­vertre­tung im Betrieb zu wählen, da die Lehrzeit in Öster­re­ich zwis­chen zwei und vier Jahren dauert. Eine Betrieb­sratspe­ri­ode allerd­ings fünf Jahre!“, warnt der ÖGJ-Vor­sitzende. Das ist geziel­ter Demokratieab­bau für Lehrlinge. Man will junge Arbeit­nehmerIn­nen offen­sichtlich mund­tot machen, anstatt den Zusam­men­halt im Betrieb über die tolle Arbeit von über 3.000 Jugend­ver­trauen­sräten (Lehrlingssprech­ern) zu fördern. „Liebe Frau Plakolm, wir laden Sie dazu ein, mit uns ein paar dieser jun­gen Men­schen ken­nen­zuler­nen, die sich aktiv für ihre Mit­men­schen und eine bessere Qual­ität in der Lehraus­bil­dung ein­set­zen. Zeigen Sie uns, dass Sie bere­it sind, mit uns über dieses The­ma zu sprechen und sich tat­säch­lich für mehr Mitbes­tim­mung von Jugendlichen ein­set­zen!“, so Ern­szt abschließend.