Kündigungsschutz

So manch­er Arbeit­ge­ber schreckt offen­sichtlich vor nichts zurück, um Beschäftigte los zu wer­den. So auch im Falle ein­er 32-jähri­gen Bäck­ereiangestell­ten, die kurz nach Bekan­nt­gabe ihrer Schwanger­schaft zu Unrecht ent­lassen und danach auch noch des Dieb­stahls bezichtigt wurde. Sämtliche Vor­würfe waren völ­lig aus der Luft gegrif­f­en, außer­dem haben Frauen ab Bekan­ntwer­den der Schwanger­schaft einen beson­deren Kündi­gungss­chutz. “Wir haben für die Frau 10.000 Euro an offe­nen Ansprüchen einge­fordert. Das Geld hat sie bere­its erhal­ten”, so Arbeit­erkam­mer Niederöster­re­ich-Präsi­dent und Öster­re­ichis­ch­er Gew­erkschafts­bund Niederöster­re­ich-Vor­sitzen­der Markus Wieser. Die Ent­las­sung nach einem Kurzurlaub war nur die Spitze des Eis­bergs eines mehrjähri­gen Arbeitsver­hält­niss­es, dessen Kli­ma zuse­hends schlechter wurde. Bere­its zwei Jahre zuvor änderte sich der Auf­gaben­bere­ich der Wald­viert­lerin entschei­dend. Sie musste for­t­an nicht mehr die Kund­schaft bedi­enen, son­dern war mit ver­ant­wor­tungsvollen Bürotätigkeit­en beschäftigt, wick­elte unter anderem große Bestel­lun­gen eben­so ab wie die Abrech­nun­gen der Fil­ialen. Trotz mehrma­liger Nach­frage wurde die Frau aber weit­er­hin als Arbei­t­erin und nicht als Angestellte geführt, was sich für sie finanziell nachteilig auswirk­te. Als die Frau schwanger wurde, teilte sie dies inklu­sive Vor­lage der ärztlichen Bestä­ti­gung ihrem Chef mit. Kurz darauf ging sie in den Urlaub. Bei der Rück­kehr wurde sie sofort ins Büro des Chefs zitiert, wo ihr eine Unter­schrift zur frist­losen Ent­las­sung vorgelegt wurde. „Es braucht für eine Ent­las­sung aber zwin­gend eine Begrün­dung, die es jedoch nicht gab“, sagt AK-Präsi­dent und ÖGB NÖ-Vor­sitzen­der Markus Wieser. Die verzweifelte Frau, die oben­drein bere­its mehrere Fehlge­burten hin­ter sich hat­te, wandte sich an die Arbeit­erkam­mer. Die Ein­bringung der offe­nen Ansprüche, die sich aus der nicht unzuläs­si­gen Ent­las­sung sowie aus der jahre­lan­gen falschen Ein­stu­fung ergaben, schien nur Form­sache zu sein. Doch der Bäck­erei-Chef reagierte auf die Inter­ven­tion der AK Niederöster­re­ich auf seine Art. Anstatt zu zahlen, erstat­tete er Strafanzeige gegen seine ehe­ma­lige Mitar­bei­t­erin, weil sie ange­blich Geld aus der Kell­ner­brief­tasche gestohlen hätte. Beim dafür ange­set­zten Straf­prozess ver­wick­elte sich der Arbeit­ge­ber in Wider­sprüche und schnell war klar, dass der Vor­wurf kon­stru­iert wor­den war, um die Ent­las­sung nachträglich begrün­den zu kön­nen. Weil danach die offe­nen Ansprüche noch immer nicht beglichen wur­den, brachte die AK Niederöster­re­ich den Fall vor das Arbeits- und Sozial­gericht. Es kam zu einem Ver­gle­ich. “Der Dien­st­ge­ber musste der wer­den­den Mut­ter 10.000 Euro net­to über­weisen und auch sämtliche Ver­fahren­skosten tra­gen“, so AK-Präsi­dent Wieser.