Infor­ma­ti­on

Elek­tro­in­stal­la­teur Luis S. nimmt sei­ne Arbeit ernst und sei­ne Fami­lie. Das stör­te das alt­mo­di­sche Welt­bild sei­nes Chefs. Als der Arbei­ter zwei Tage Pfle­ge­frei­stel­lung brauch­te und einen Papa­mo­nat neh­men woll­te, kün­dig­te er ihn. Arbei­ter­kam­mer Prä­si­den­tin Rena­te Anderl: „Auch Väter haben ein Recht dar­auf, für ihre Kin­der da zu sein. Die AK sorgt für Gerech­tig­keit, der Vater bekommt 7.000 Euro.“ Als sei­ne schwan­ge­re Frau zu einer Unter­su­chung muss­te, bat Luis S. sei­nen Chef da-rum, in die­ser Zeit sein Recht auf Pfle­ge­frei­stel­lung in Anspruch neh­men zu kön­nen, damit er auf sei­ne drei Kin­der auf­pas­sen kön­ne. Das und der Wunsch nach einem Papa­mo­nat – eben­falls ein Recht, das der Arbei­ter nur in Anspruch neh­men woll­te, weil er sei­nen Urlaub bereits zwangs­wei­se wäh­rend des Betriebs­ur­laubs ver­braucht hat­te – nahm der Chef äußerst mür­risch auf. Wenig spä­ter kam die Kün­di­gung. Vor Gericht ver­such­te der Chef die Fami­li­en­freund­lich­keit sei­nes Unter­neh­mens zu bewei­sen, dafür soll­te eine Mit­ar­bei­te­rin mit Klein­kind Zeu­gin sein. Das ging aber nach hin­ten los: die Mit­ar­bei­te­rin berich­te­te, dass der Chef sie groß­zü­gi­ger Wei­se ihr kran­kes Kind mit ins Büro neh­men las­se – anstatt dass sie eben­so ihr Recht auf Pfle­ge­frei­stel­lung in Anspruch neh­men konn­te. Von Fami­li­en­freund­lich­keit also kei­ne Spur. Auf die­sen Vor­halt mein­te der Chef, dass es „schon so ist, dass ich Dienst­neh­mer ein­stel­le, damit sie für mich arbei­ten“ und der Betrieb sei ja kei­ne „Sozi­al­sta­ti­on“. Das Erst­ge­richt attes­tier­te dem Chef ein ver­al­te­tes, patri­ar­cha­les Welt­bild. Dass Luis S. sich als Mann nicht nur finan­zi­ell, son­dern auch emo­tio­nal um sei­ne Fami­lie küm­mer­te, und daher nicht dau­ernd frei ver­füg­bar war, dürf­te den Chef beson­ders gestört haben. Das Gericht ers­ter sowie zwei­ter Instanz stell­ten daher fest, dass der Chef Luis S. auf­grund sei­nes Fami­li­en­stan­des und sei­nes Geschlechts dis­kri­mi­niert und daher zu Unrecht gekün­digt hat­te. Der Chef muss daher Luis S. den Ein­kom­mens­ver­lust bis zum Antritt eines neu­en Jobs zah­len, sowie einen Scha­den­er­satz für die per­sön­li­che Beein­träch­ti­gung – ins­ge­samt rund 7.000 Euro.