Fachkräftemangel

Weil der heimis­chen Wirtschaft Fachkräfte fehlen, will die neue Regierung nun auch die Man­gel­beruf­s­liste erweit­ern. Dadurch erlan­gen aus­ländis­che Arbeit­skräfte Zugang zum Arbeits­markt. „Dass die Zahl der Lehrlinge und somit auch die Zahl an aus­ge­bilde­ten Fachkräften seit Jahren rück­läu­fig ist, ist kein Geheim­nis. Die ÖGJ appel­liert schon lange an die heimis­chen Betriebe, wieder mehr auszu­bilden. Wer sich jet­zt über einen Fachkräfte­man­gel wun­dert, hat die let­zten zehn Jahre ver­schlafen“, ärg­ert sich Sascha Ern­szt, Vor­sitzen­der der Öster­re­ichis­chen Gew­erkschaft­sju­gend (ÖGJ). Nur mehr rund 20 Prozent der Betriebe, die aus­bilden kön­nten, tun das. In den let­zten zehn Jahren (2006–2016) hat sich die Zahl der Aus­bil­dungs­be­triebe um ein Vier­tel oder um fast 10.000 ver­ringert. Am Lehrstel­len­markt gibt es nach wie vor mehr Lehrstel­len­suchende (6.340) als gemeldete offene Stellen (4.273). „Die Lehrlingsaus­bil­dung in Öster­re­ich ist beispiel­gebend für ganz Europa. Darauf dür­fen wir uns aber nicht aus­ruhen, son­dern müssen beste­hende Prob­leme beheben. Anstatt die Man­gel­beruf­s­liste wahl­los zu erweit­ern, sollte die Regierung das tun, was sie im Regierung­spro­gramm groß angekündigt hat. Näm­lich den Wert und die Bedeu­tung der dualen Aus­bil­dung stärken, aber auch endlich Maß­nah­men zur Über­prü­fung der Qual­ität in der Lehrlingsaus­bil­dung set­zen“, fordert Ern­szt. „Wenn die Arbeits­be­din­gun­gen und die Aus­bil­dungsqual­ität passen, kom­men die Arbeit­skräfte in den derzeit weniger beliebten Jobs von selb­st zurück.“ Damit generell wieder mehr Betriebe aus­bilden, hat die ÖGJ das Mod­ell der Fachkräftemil­liarde entwick­elt. Die Gew­erkschaft­sju­gend fordert einen Aus­bil­dungs­fonds (Fachkräftemil­liarde), in den Fir­men ein­zahlen, die nicht aus­bilden, obwohl sie es kön­nten, und aus dem Betriebe, die qual­i­ta­tiv hochw­er­tig aus­bilden, Förderun­gen erhal­ten. Der Fonds soll durch ein Prozent der Jahres­brut­tolohn­summe durch die Unternehmen finanziert wer­den.