Einsparungen

Kri­tik zu den Einsparun­gen des Bun­des in der über­be­trieblichen Lehraus­bil­dung kommt heute, Mon­tag, von Lan­deshaupt­mann Peter Kaiser und Arbeits­markt- und Lehrlingsref­er­entin LHStv.in Gaby Schau­nig. Nach Plan der Bun­desregierung soll kün­ftig volljähri­gen Lehrlin­gen in über­be­trieblichen Lehraus­bil­dun­gen ihre Aus­bil­dungsentschädi­gung im ersten und zweit­en Lehr­jahr von 753 auf 325 Euro monatlich gekürzt wer­den. Damit wür­den die Lehrlinge über die Hälfte ihres ohne­hin schon beschei­de­nen Einkom­mens ver­lieren. In Kärn­ten wür­den derzeit 600 ÜBA-Lehrlinge in Aus­bil­dung ste­hen, 150 junge Erwach­sene zwis­chen 18 und 25 Jahren seien von den Bud­getkürzun­gen des Bun­des direkt betrof­fen. Die Einsparun­gen, die über diese Aktion in Kärn­ten lukri­ert wer­den kön­nen wür­den, laut AMS-Lan­des­geschäfts­führer Franz Zewell, bei 769.000 Euro liegen. „Eine ver­ant­wor­tungs­be­wusste Poli­tik sorgt dafür, dass junge Men­schen alle Möglichkeit­en bekom­men, um sich beru­flich zu ver­wirk­lichen. Mit der Kürzung der Aus­bil­dungsentschädi­gung für volljährige Lehrlinge in über­be­trieblichen Lehrw­erk­stät­ten geht die Bun­desregierung genau den umgekehrten, den falschen Weg: Sie nimmt jun­gen Men­schen ihre Per­spek­tive, ver­stärkt den Fachkräfte­man­gel und schadet damit der heimis­chen Wirtschaft“, zeigt sich Lan­deshaupt­mann Kaiser ver­ständ­nis­los. Die sein­erzeit­ige Ankündi­gung im Sys­tem und nicht bei den Men­schen sparen zu wollen, höre sich angesichts solch­er Über­legun­gen, ger­adezu wie eine Ver­höh­nung an. „Das ist eine völ­lig unver­ständliche Maß­nahme der Bun­desregierung — Fachkräfte wer­den drin­gend gesucht und genau in diesem Bere­ich wird gekürzt“, sagt LHStv.in Schau­nig. Die Fol­gen dieser Poli­tik seien leicht zu prog­nos­tizieren: Ausstieg aus der Aus­bil­dung, keine abgeschlossene Lehre, langfristig kaum Chan­cen am Arbeits­markt. „Das ist nicht nur gegenüber den Betrof­fe­nen unver­ant­wortlich – das ist volk­swirtschaftlich für ganz Öster­re­ich unver­ständlich. Bei dem täglich beklagten Fachkräfte­man­gel, dort einzus­paren, wo Arbeit­skräfte aus­ge­bildet wer­den, ist schlicht nicht nachvol­lziehbar“, so Schau­nig. Jährlich wür­den rund 60.000 Fachkräfte in der heimis­chen Indus­trie benötigt, doch fast jede fün­fte Stelle bleibe unbe­set­zt. Wie komme die Regierung also auf die Idee, dass es sin­nvoll wäre, ger­ade bei der Aus­bil­dungsentschädi­gung der zukün­ftig stark nachge­fragten Fachkräfte auf so radikale Weise zu kürzen? Die logis­che Kon­se­quenz der drastis­chen Einkom­men­skürzung werde sein, dass viele Jugendliche keine Lehre mehr abschließen. Die höhere Lehrlingsentschädi­gung sei ursprünglich einge­führt wor­den, um auch volljähri­gen Schu­la­b­brech­ern eine Chance für eine Beruf­saus­bil­dung zu bieten und die höheren Leben­skosten der jun­gen Erwach­se­nen abzudeck­en. Sie stelle einen wichti­gen Anreiz dar, um junge Men­schen, die nach dem Pflichtschu­la­b­schluss aus ver­schiede­nen Grün­den keinen weit­eren Aus­bil­dungsweg ein­schla­gen woll­ten oder kon­nten, doch noch zu ein­er Beruf­saus­bil­dung zu motivieren. „Die gute Kon­junk­turlage als Begrün­dung her­anzuziehen ist bei dieser, die Lehrlinge betr­e­f­fend­en Maß­nahme eben­so falsch wie als Begrün­dung für die Ein­stel­lung der Aktion 20.0000 für ältere Langzeitar­beit­slose. Denn ein­er­seits fan­gen wir in den über­be­trieblichen Aus­bil­dungsstät­ten junge Men­schen auf, die am reg­ulären Lehrstel­len­markt aus ver­schiede­nen Grün­den keine Auf­nahme find­en. Zudem wis­sen wir, dass das Lehrstel­lenange­bot in der Wirtschaft großen kon­junk­turellen Schwankun­gen unter­wor­fen ist. Die Lehrlinge, die von den Betrieben in den ver­gan­genen Jahren wegen der anges­pan­nten Kon­junk­turlage nicht aus­ge­bildet wur­den, fehlen heute als Fachkräfte“, erläutern Kaiser und Schau­nig. Der Rück­gang der Jugen­dar­beit­slosigkeit lag in Kärn­ten zulet­zt bei 22 Prozent, Ten­denz weit­er sink­end. Ein Ergeb­nis der Bemühun­gen des Lan­des Kärn­ten, das jährlich 10,5 Mil­lio­nen Euro in die Aus­bil­dungspflicht und Aus­bil­dungs­garantie investiert sowie des AMS Kärn­ten, das 40 Prozent sein­er Bud­get­mit­tel für die Förderun­gen von Jugendlichen aufwen­det. All diese Bemühun­gen wer­den auf Bun­de­sebene nun durch eine kurzsichtige Spar­poli­tik kon­terkari­ert.