Arbeitszeitrecht

Wenn Lehrlinge jet­zt schon ver­boten­er­weise Über­stun­den machen müssen, kön­nen wir uns aus­rech­nen, wie es auss­chaut, wenn sie frei­willig welche machen sollen! Die geplante Änderung im Arbeit­szeitrecht wird in Zukun­ft auch rund 40.000 Lehrlinge tre­f­fen“, macht Susanne Hofer, Vor­sitzende der Öster­re­ichis­chen Gew­erkschaft­sju­gend (ÖGJ) aufmerk­sam. „Für jugendliche Lehrlinge gibt es zwar ein spezielles Schutzge­setz, das gilt aber nicht für Lehrlinge ab 18 Jahren. Für diese gilt wie für alle anderen Arbeit­nehmerIn­nen auch das Arbeit­szeit­ge­setz.“ Sollte die Geset­zesän­derung wie geplant mit 1.1.2019 in Kraft treten, wer­den Lehrlinge über 18 Jahre von allen Änderun­gen (12-Stun­den-Tag bzw. 60-Stun­den-Woche), die der Ini­tia­ti­vantrag vor­sieht, betrof­fen sein. „Eigentlich soll­ten Lehrlinge über­haupt keine Über­stun­den machen müssen. Schließlich absolvieren sie eine Beruf­saus­bil­dung. Denn was soll in der neun­ten, zehn­ten oder irgen­dein­er Über­stunde gel­ernt wer­den, was nicht auch in der nor­malen Aus­bil­dungszeit beige­bracht wer­den kann. Aus päd­a­gogis­chem Stand­punkt betra­chtet, wird nach der acht­en Stunde kein Lern­er­trag mehr erzielt“, stellt die ÖGJ-Vor­sitzende klar. „Wir wis­sen aus unserem Lehrlingsmon­i­tor, dass bere­its jet­zt viele Lehrlinge unfrei­willig Über­stun­den absolvieren müssen und viele dafür nicht ein­mal ent­lohnt wer­den. Dass für Jugendliche und Lehrlinge unter 18 Jahren Über­stun­den ver­boten sind, ändert auch jet­zt schon nichts daran, dass sie trotz­dem zu Über­stun­den herange­zo­gen wer­den.“ Für die Berech­nung der Über­stun­den muss bei Lehrlin­gen über 18 nur der niedrig­ste im Betrieb vere­in­barte Fachar­beit­er­lohn oder das niedrig­ste Angestell­tenge­halt herange­zo­gen wer­den. „Dadurch alleine beste­ht die Gefahr, dass Lehrlinge ver­mehrt zu Über­stun­den verpflichtet und als bil­lige Arbeit­skräfte aus­genutzt wer­den, die sich die Betriebe auch noch fördern lassen kön­nen“, ist Hofer empört. Der Lehrlingsmon­i­tor 2017/2018 zeigt, dass im Touris­mus 68 Prozent der Lehrlinge Über­stun­den leis­ten müssen, 29 Prozent davon unfrei­willig. Für über-18jährige Lehrlinge in der Gas­tronomie kommt hinzu, dass die Ruhezeit auf 8 Stun­den gekürzt wer­den kann. „Ist das dann noch Aus­bil­dung oder Aus­beu­tung pur?“, fragt sich Hofer. „Wenn Lehrlinge jet­zt schon ver­boten­er­weise Über­stun­den machen müssen, kön­nen wir uns aus­rech­nen, wie es auss­chaut, wenn sie frei­willig welche machen sollen!“ Die Haup­tauf­gabe ein­er Lehrlingsaus­bil­dung ist, einen Beruf zu erler­nen und die dafür notwendi­gen Kom­pe­ten­zen vom Betrieb bzw. Aus­bilder oder Aus­bilderin ver­mit­telt zu bekom­men. Daher ist ein Lehrver­hält­nis auch als Aus­bil­dungsver­hält­nis zu qual­i­fizieren. Alle Betriebe erhal­ten daher für die Aus­bil­dung von Lehrlin­gen auch min­destens die soge­nan­nte Bas­is­förderung. Für jugendliche Lehrlinge sind laut Kinder und Jugendlichen-Beschäf­ti­gungs­ge­setz (KJBG) Über­stun­den ver­boten. Lehrlinge ab 18 dür­fen laut dem neuen Gesetz dann auch bis zu 20 Über­stun­den in der Woche absolvieren. Diese müssen mit dem im Betrieb ger­ing­sten Fachar­beit­er­lohn oder Angestell­tenge­halt bezahlt wer­den. Link: Lehrlingsmon­i­tor